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Thursday, 17. August 2006Andi Joos berichtet vom Swiss Gigathlon 2006
Die Streckenführung des diejährigen Wettkampfes schien auf dem Papier nicht zu spektakulär zu werden. Der Gigathlon fand diesesmal im westlichen Teil der Schweiz statt, was für normale Schweiztouris eher unbekannt ist. In den Streckenbeschreibungen las man von Mittelgebirge, der höchster Punkt lag bei ca. 1600 m ü. n. Auch mich als „Bergziege" freute es sehr, nicht unendliche Anstiege mit dem Rad bezwingen zu müssen, obwohl ich mir, dank Peter's 5-Länder-Giro, dieses Jahr durchaus gewisse Kletterqualitäten angeeignet habe. Insgesamt war eine Strecke von 330 km mit ca. 4500 hm, per Rennrad, Bike, schwimmend, mit Inliner und zu Fuß, zurück zu legen. Wobei das „ca." bei den Höhenmeter durchaus angebracht war. Laut meinen Radtacho habe ich beim Rennrad und beim Bike alleine über 4100 hm zurück gelegt. Das ist aber gerade der Reiz des Gigathlons, nicht genau zu wissen was einen erwartet. Aber nun genug gelabert, kommen wir zum eigentlichen Wettkampf. Für mich beginnt das Abenteuer schon bei der Anreise, nein, sogar schon beim beladen des Autos bzw. beim richten des Materials. Dem richten kam dieses Jahr besondere Aufmerksamkeit zuteil, denn das Rennrad, in der Schweiz Velo genannt, musste mit einer Beleuchtungsanlage bestückt werden. Aber hierzu später mehr. Ich reiste mit meinem bewährten Supporterteam, das aus meiner Frau und Sandra Hörner bestand, im ersten Camp in La Chaux-de-Fonds, zum einchecken an. Dort erhielt man seine Wettkampfutensilien wie Zeitmesschip, Bademütze, Radflaschen, Startnummern usw. Ebenso konnte man sich an einem Stand mit Wettkampfverpflegung wie Riegel und Gels eindecken. Zudem konnten alle Teilnehmer und deren Supporter dort ein leckeres, warmes Abendessen zu sich nehmen. Zwischen dem Essen und der Wettkampfbesprechung richtete ich meine Sachen für die einzelnen Disziplinen. Leider war das Wetter auch am Freitag nicht besonders und es gab immer wieder Regenschauer, was die Auswahl der Bekleidung nicht gerade einfacher machte. Allerdings war für die Nacht und den folgenden Samstag deutlich besseres Wetter angesagt und so wurde nur leichte Regenbekleidung eingepackt. Dies war alles nicht so einfach, da La Chaux-de-Fonds nicht der Startort des Gigathlons war, sondern die Teilnehmer wurden in Sonderzügen mit samt Rad und teilwiese Supportern nach Genf gefahren. Mein Zug ging um 20.14 Uhr und wir kamen um 22.45 Uhr in Genf am Bahnhof an. Für den Radtransport erhielt jeder Teilnehmer einen Bikebag. Ich habe gedacht ich könnte im Zug vielleicht noch etwas schlafen, da ich ja auch schon seit morgens 7.00 Uhr auf den Beinen war, dies gelang mir aber nicht. Ich hatte sehr nette Mitsteiter im Abteil, die schon bei vielen Giagthlons teilgenommen haben und wir hatten viel zu erzählen. Zu einen kleinen Mikroschlaf hat es dann doch gereicht, bevor wir ankamen. In Genf herrschte trotz der späten Stunde sehr angenehme Temperatur und ca. tausend Leute machten sich mit Fahrrad und Rucksack, zu Fuß durch das nächtliche Genf in Richtung See auf. Als es an den Kneipen und feiernden Leute vorbeiging, befielen mich doch gewisse Zweifel. Bis zum Start, der um 24.00 Uhr war blieb noch etwas Zeit. Auf der Seepromenade war ein Vorstartbereich eingerichtet. Dort wurde die Beleuchtungsanlage der Räder durch den schweizer TÜV geprüft und man konnte sich nochmal etwas verpflegen. Von dort ging es nochmal ca.10 min. zu Fuß zum Start. Kurz vor dem Start überwiegte bei mir doch die Freude auf den Wettkampf und auf das was kommen würde. Die Zweifel verdrängte ich so gut es ging. Das Radfahren bei Nacht hatte ich zwar schon mal ausprobiert, aber mit 600 anderen Radfahren im Wettkampf war das schon etwas besonderes. Zudem die ersten 20 km des Rennens entlang des Genfer Sees bis Nyon neutralisiert waren und dort auch Windschatten gefahren werden durfte, was sonst nicht erlaubt war. Dementsprechend ging es von Anfang an zur Sache. Nach 20 km hatte ich einen 38er Schnitt, keiner wollte nachgeben um mit aller Gewalt den Windschatten ausnutzen. Dies beruhigte sich dann aber ziemlich schnell bei der Auffahrt zum Col de la Girvine. 20 Km und 800hm galt es zu überwinden. Zu meiner Überraschung konnte ich doch recht gut mithalten, mit den schweizer Bergradlern. Allerdings ist es schon nicht einfach bei stockfinsterer Nacht zu fahren. Es fehlt einen total das Gefühl für die Geschwindigkeit, da man ja nur die Lichter vor einem sieht und sonst nur den Schein des eigenen Lichtes. Je höher wir kommen, desto kälter wurde es und durch den am Tag zuvor niedergegangenen Regen war es in den Höhenlagen ziemlich nebelig, was die Sicht noch mehr einschränkte. Ich versuchte immer ein paar Radler um mich zu haben, was das fahren etwas einfacher machte. Ein Teil der Strecke führte auch durch französiches Staatsgebiet, was man am Zustand der Straßen gleich merkte. Die ersten hundert Kilometer ließen sich doch recht gut fahren, allerdings machte sich dann doch die Müdigkeit bemerkbar. Bis der Tag um 5.00 Uhr dann endlich anbrach war es doch lang und der schwierigere Teil der Strecke war doch eher die zweite Hälfte. Meine Supporter konnten um 0.45Uhr wieder mit dem Zug zurück nach La Chaux-de-Fonds fahren und hatten dort ein bißchen Zeit zum ausruhen. Um 6.40 Uhr, nach 166km kam ich dann mit dem Velo dort auch an und meine Mädels warteten schon mit dem Bike auf mich. Beim wechseln nahm ich dann erst mal ein kleines Frühstück ein. Ein Kaffee und ein Käsebrötchen weckte die Lebensgeister. Neue Klamotten und ab auf Bike. Mit dem Mountainbike verbindet mich, ich will nicht behaupten ein Haßliebe, aber so in die Richtung geht es schon. Das „Gipfelerlebnis" die Ruhe und sich in der Natur fortzubewegen und das Abfahren, wiegt das kräftzehrende Bergauffahren auf Matsch und Geröll, den vergossenen Schweiß, die brennden Lungen und schmerzenden Muskeln wieder auf. Auch die 68 Km und ca. 2000 hm auf der Bikestrecke waren wieder ein Erlebnis. Wunderschöne Wege durch Wälder wechselten sich mit super steilen, super knöcheltiefen Matschwegen, auf denen das Rad getragen oder auch geschoben werden mußte ab. Ab höchsten Punkt des ganzen Wettkampfes, dem Chaseral, ging es dann mit einer Unterbrechung abwärts. Allerdings waren die Abfahrten diesmal technisch sehr anspruchsvoll. Das Gestein des schweizer Juras hat die Unart, wenn es feucht ist, sehr rutschig zu sein. Dies führte zu zahlreichen Stürzen, die meist glimpflich endeten. Kurz vor Ende der Bikestrecke ging es nochmal hoch zum Hohenmatt auf 1085 Meter. Die letzten 13 km nach Aergerten verliefen über Singletrails und am Bieler See entlang nach Aergerten. Nachdem ich die beiden Raddisziplinen recht ordentlich hinter mich gebracht habe, war ich doch wesentlich entspannter. 177. Platz geht ja noch, dachte ich mir. Ich hatte ja immer wieder beim biken angehalten um Bilder zu machen. Nun kamen aber meine Sportarten. Vom Bike ging es zum schwimmen. 7,5 km in der Aare. Mit der Strömung versteht sich. Bei meinen Supportern fragte ich nach wie schnell der bisher schnellste geschwommen ist. 1 Std 4min war die Bestzeit. Selbstbewußt sagte ich meinen beiden Helferinnen, Sie sollen sich beeilen um zum nächsten Wechsel zu kommen. Zuvor mußte ich aber noch den Neo anziehen. Verschwitzt und dreckig wie ich war gar nicht so einfach. Babypuder half. Ich streute meinen ganzen Körper mit dem weißen Zeug ein und der Anzug flutsche locker auf den Körper. Im Training hatte ich dies Methode schon ausprobiert. Andere Athleten mühten sich doch sehr um in den Schwimmanzug zu kommen. Dieser war auch nötig, denn das Wasser der Aare hatte gerade mal 20°C. Die Abkühlung tat gut, denn ich war zu diesem Zweitpunkt immerhin schon 12 Std. 21Min im Wettkampf. Ich merkte aber gleich, dass das Schwimmen sehr gut lief. Die Befürchtung Krämpfe zu bekommen, bestätigte sich nicht und ich konnte ein schnelles Tempo anschlagen. Nach 1Std. 18Min erreichte ich den Ausstieg. Meine Supporterinnen warteten schon und waren froh mich unbeschadet aus den Fluten aussteigen zu sehen. Mit der 29. Schwimmzeit bei den Singles konnte ich mich alleine beim schwimmen um 17 Plätze verbessern. Das Wetter war mittlerweile sehr gut und die kommende Etappe, das Inlinen, versprach sehr heiß zu werden. Es ging auf dieser Strecke 46 km über Feldwege südlich nach Murten. Ich ließ es eher ruhig angehen, da sich beim schwimmen mein Rücken schmerzlich bemerkbar machte. An eine aerodynamische Postion war nicht zu denken und so ging ich das Inlinen eher locker an. Da beim dieser Sportart das windschatten fahren erlaubt war, versuchte ich, nach einer Einrollphase, jemanden zu finden, der die Führungsarbet übernahm. Dies gelang mir auch immer wieder, wobei ich darauf achtete nicht zu überpacen, weil ich hatte ja noch ein ganzen Stück vor mir. Trotz alledem gelang es mir auch in diese Disziplin nochmal 14 Plätze gutzumachen. Dies war natürlich sehr motivierend für die letzte Etappe. Diese begann gleich mit einer Entäuschung. Als ich in die Wechselzone zum Laufen mit den Inlinern kam, waren meine Supporter noch nicht da. Ich hatte fürs inlinen 2,5 Std angenommen, war aber schon nach 2 Std. im Ziel. Eigentlich erwartete ich Erik Lütdke, der mich beim Laufen mit dem Fahrrad begleiten sollte. Auch der war noch nicht da. Die Schwierigkeit für meine Helferinnen war, das Sie das Auto nicht benutzen durften, sondern mit Shuttlebussen die jeweiligen Wechselzonen anfahren mussten. Dadurch waren Sie auf die Abfahrtzeiten der Busse angewiesen, was im allgemeinen sehr gut klappte, außer in diesem Fall. Außerdem muß man auch erwähnen, das es für die Supporter ziemlich anstrengend und aufwändig war, das ganze Equiment herum zu tragen. Auch sie hatten teilweise längere Strecken zu Fuß zurück zu legen. Nach etwa 10min Wartezeit kam meine Frau mit den Laufklamotten angespurtet. Sie wurde per SMS immer informiert wo ich gerade war und wußte deshalb, dass ich schon auf Sie wartete. Eric war immer noch nicht da, so entschloß Andrea mich auf dem Rad zu begleiten. Ich war zwar nicht besonders begeistert, da ich mir nach dem letztjährigen Start beim Gigathlon, vorstellen konnte wie die Laufstrecke sein könnte. Trotz alledem lief ich los begleitet von meiner Frau. Und gleich ging es auch los. Ein Anstieg folgte dem anderen und ich tat mich sehr schwer einen Laufryhtmus zu finden. Andrea kämpfte sich tapfer neben mir mit dem Fahrrad die Berge hoch. Per Handy haben wir dann erfahren das Eric nun doch da ist und er und Sandra an der ersten Verpflegungstelle auf uns warten und er mich von dort ab begleiten werde. Die Frauen durften sich nun den spaß gönnen und mit Erics Porsche ein bißchen durch die Schweiz zu düsen, was beide sichtlich genossen, wie diverse SMS's auf Erich Handy zeigten. Da laufen ja eigentlich meine Lieblingsdisziplin ist freute ich mich schon darauf, aber die ersten 15 km waren sehr hart. Vor allem die Konzentration wurde immer schwerer. Was ja nicht verwunderlich ist wenn man sich nach 16,5 Stunden Wettkampfdauer auf einen Marathonlauf begibt. Anfangs lief man durch Felder und kleinere Wälder bis man einen Stausee erreichte, der zur Energiegewinnung dient. Dort wurde ein Fluß angestaut an dessen Ufern sich die Laufstrecke auf herrlichen Wegen entlang führte. Strahlend blauer Abendhimmel und angenehme Temperaturen taten ein weiteres zur sagenhaften Stimmung, die diese Landschaft, trotz aller Mühen verbreitete. Noch nie bin ich eine so tolle Laufstrecke bei einem Wettkampf gelaufen. Eric motivierte mich immer wieder und je länger ich lief um so besser ging es mir. Auf der gesamten Strecke sammelte ich Single für Single ein. Als wir die Stadtgrenze Berns erreichten und ich noch 7 km von 42 zu laufen hatte ging es mir richtig gut und meine Schritte wurden immer schneller und leichter. Bis dorthin hatte ich bereits 24 Plätze gutgemacht. Von den Frauen wussten wir, dass kurz vor dem Ziel noch ein sehr steiler und langer Anstieg ist, was mir allerdings nicht sehr viel ausmachte. Das Ziel vor Augen ging ich diesen Anstieg hoch und hörte schon von weiten den Sprecher und die Musik im Ziel. Nach 5 Std und 14min für den Marathon und einer Gesamtzeit von 21 Std 30min 20 sec lief ich als stolzer finisher ins Ziel ein.www.gigathlon.ch . Und wieder war es etwas ganz besonderes beim Gigathlon am Start sein zu dürfen und ich habe trotz der Anstrengung jeden Moment genossen. Andreas Joos P.S Wenn Ihr ein paar Bilder sehen wollt: Kommentare
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Gratulation zu dieser hervorragenden Leistung senden Birgit und Raoul aus Remscheid!
#1
Raoul Henke
am
29.08.2006 18:29
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